Das Ding mit der Dankbarkeit
Tag 195
Das Ding mit der Dankbarkeit
Hast du Angst vor dem Tod? Früher hätte ich dir mit einem klaren "Ja" geantwortet. Diese schaurige Gestalt, die hinter jeder Ecke lauert, war auch für mich furchteinflößend. Aber als es dann tatsächlich so weit war, war ich verblüfft. Es war weniger dramatisch, als ich dachte. Es war mehr ein "Hä? Aha, da liegt mein Körper, aha, also bin ich wohl gestorben."
Wer genau ist da gestorben? Mein Wesen jedenfalls nicht, sonst könnte ich dir das hier nicht mitteilen. Mein Körper ist der Teil, der gestorben ist, aber irgendwie wurde er wieder aktiviert. Deshalb spreche ich jetzt mit dir in menschlicher Sprache. Ohne diesen Körper würde ich wahrscheinlich als Geistwesen mit dir kommunizieren, aber so geht’s natürlich auch.
Also, "nur" mein Körper stirbt. Diese Angst, diese Sichtweise, dass ich mein Körper bin, ist schlichtweg falsch. Für den Verstand ist das unbegreiflich, weil unsere fünf Sinne nur ein begrenztes Spektrum wahrnehmen. Unsere Ohren hören bis etwa 20.000 bis 30.000 Hertz. Nur weil wir nicht darüber hinaus hören, heißt das nicht, dass nichts existiert. Da passiert eine Menge, und das hat auch Auswirkungen auf uns.
Versuche mal, in dich hineinzuspüren. Wer ist da wirklich zuhause? Hat das wirklich so viel mit deinem physischen Körper zu tun, wie der Verstand es dir weismachen will? Der Verstand ist nicht dumm, er hat nur begrenzte Informationen und baut daraus ein Bild. Das ist alles.
Die Liebe ist der Weg, den wir erfahren müssen, nicht gehen. Und dieser Weg der Liebe führt durch Dankbarkeit. Dankbarkeit ist schwer zu lernen für diejenigen, die die Welt verkehrt betrachten, die nur den Körper wahrnehmen. Diese Menschen vergleichen sich ständig und versuchen, zufrieden zu sein, weil es anderen schlechter geht. Sie sehen andere als Rivalen, als Feinde ihres Friedens.
Aber Liebe vergleicht nicht. Sie ist unendlich, ohne Anfang und Ende, und deshalb ist ein Vergleich unmöglich. Dankbarkeit kann nur aufrichtig sein, wenn sie mit Liebe verbunden ist. Wie merkst du, dass du wirklich dankbar bist? Es wird leicht in dir, still. Das innere Geplapper hört auf. Ärger, Bosheit und Rache verschwinden.
Und das ist das Ding mit der Dankbarkeit. Sie verkürzt den Weg und die Zeit zum Frieden erheblich. Lass uns diese Abkürzung nehmen. Es erfordert Übung, klar, aber wenn du anfängst, eines deiner inneren Plagegeister zu wenden, wird sich dein Leben in das Glückliche und Friedliche verwandeln. Genau so ist es gedacht.